Freie Bahn nach Kurve eins: das Maximum von Hechthausen
Markus Brandhofer und Bridget Meijerink gewinnen jeden einzelnen Lauf – und im Fahrerlager arbeiten drei Generationen einer Familie Hand in Hand.

Es gibt Renntage, an denen alles ineinandergreift. Hechthausen, irgendwo zwischen Cuxhaven und der Niederelbe gelegen, war so ein Tag. Fünf Gespanne standen in der Internationalen Klasse am Band – und doch war die wichtigste Frage des Nachmittags schon nach der ersten Kurve beantwortet. Wer Markus Brandhofer und Bridget Meijerink sehen wollte, musste nach vorne schauen.
Lauf für Lauf kamen die beiden sauber aus dem Start, hatten spätestens nach Kurve eins freie Sicht und fuhren von da an ihren eigenen Strich. Am Ende stand, was sich schon früh abgezeichnet hatte: fünf Läufe, fünf Siege, die maximale Punktzahl. Ein perfektes Wochenende, wie man es im Gespann-Sport nicht alle Tage erlebt.
Ein junges Duo mit alter Klasse
Dabei ist diese Paarung noch frisch – nicht an Erfahrung, sondern als Team. Bridget Meijerink, 22 Jahre alt und aus dem niederländischen Schuinesloot, sitzt erst seit dieser Saison im Boot des Gaißachers. Dass die Chemie stimmt, war in Hechthausen mit bloßem Auge zu erkennen. Im Seitenwagen entscheidet sich vieles auf wenigen Quadratmetern neben dem Fahrer, und genau dort liefert die junge Niederländerin ab.
Sie macht ihre Arbeit im Seitenwagen wirklich erstklassig.Markus Brandhofer über seine Beifahrerin
Es war ohnehin ein guter Tag für den Namen Meijerink. Während Bridget im Gespann glänzte, fuhr ihr Mann Dave in der Soloklasse ganz vorne mit und war mit der besten Punkteausbeute der Stärkste des Feldes. Zwei Klassen, ein Familienname – Hechthausen gehörte an diesem Wochenende den Meijerinks und ihrem bayerischen Partner.
Drei Generationen, ein Motorrad
Und dann ist da noch die Geschichte, die diesen Renntag über das rein Sportliche hinaushebt. Im Fahrerlager schraubten gleich zwei Korbinians am 500er-Gespann. Korbinian senior, Markus’ Vater, feierte an diesem Mittwoch seinen 80. Geburtstag – und ließ es sich nicht nehmen, ein wachsames Auge auf alles zu haben. Korbinian junior, Markus’ zwölfjähriger Sohn, packte mit an und lernte vom Großvater, wie man es richtig macht.
Drei Generationen, ein Motorrad, ein gemeinsames Ziel. Familiensache eben – und vielleicht das schönste Bild dieses Tages.
Lob für die Bahn – und ein altbekanntes Gesicht
Auch die Strecke bekam ihr Lob: bestens präpariert, befand Brandhofer und dankte dem Bahndienst der ausrichtenden Motorradfreunde Niederelbe. Bei diesem Verein hat inzwischen ein alter Bekannter das Sagen in der Rennleitung – Tim Scheunemann, über viele Jahre selbst Brandhofers Beifahrer, ist dort heute als Rennleiter im Einsatz. Die Wege im Bahnsport kreuzen sich eben immer wieder.
Dass nur fünf Teams am Start waren, tat der Spannung übrigens keinen Abbruch – zumindest hinter den Siegern. Um die Plätze zwei und drei lieferten sich Moritz Straub mit seinem neuen Beifahrer David Kersten und Nicole Standke mit Alex Herrmann ein zähes Stück Arbeit, in das sich auch das belgische Duo Van Eckhout/Cannaerts einmischte. Mit fünf zweiten Plätzen behielt am Ende das Team vom Bodensee knapp die Oberhand.
Ergebnis
Gespanne · Hechthausen 2026
| Team | Punkte |
|---|---|
| 1 Markus Brandhofer / Bridget Meijerink D / NL | 15 |
| 2 Moritz Straub / David Kersten D | 10 |
| 3 Nicole Standke / Alex Herrmann D | 7 |
| 4 Kenny van Eckhout / Axelle Cannaerts B | 2 |
| 5 Ole Möller / Imani Hazekamp D / NL | 2 |
Finale: 1. Brandhofer/Meijerink · 2. Straub/Kersten · 3. Standke/Herrmann · 4. Van Eckhout/Cannaerts.
Der Blick richtet sich aufs EM-Finale
Hechthausen ist nur eine Station auf einem größeren Weg. Schon das Saisondebüt im April krönten die beiden mit einem Sieg, jetzt folgte das Maximum in Niedersachsen. Der nächste Prüfstein: Beim EM-Challenge in Werlte geht es um die Qualifikation für das EM-Finale Ende August in Berghaupten. Läuft es weiter wie zuletzt, ist diesem Duo einiges zuzutrauen. Wir drücken die Daumen.