EM-Finale der Seitenwagen in Haunstetten – Motorsportgeschichte in Augsburg
Trotz Regenchaos, harter Arbeit hinter den Kulissen und packenden Rennläufen erlebte Haunstetten das größte Sandbahnrennen seit 35 Jahren. Das Europameisterschaftsfinale der internationalen SeitenwagenEuropameisterschaftsfinale der internationalen Seitenwagen, wurde zum Höhepunkt des Jubiläumsjahres des AMC Haunstetten und begeisterte Fahrer, Helfer und Zuschauer gleichermaßen.
Regenchaos vor dem großen Tag
Noch am Dienstag vor der Europameisterschaft war die Sandbahn am Unteren Talweg in einem perfekten Zustand. Doch über Nacht drehte der Wettergott den Hahn auf: Dauerregen von Dienstagabend bis Mittwochabend verwandelte die Bahn in eine Wasserfläche. Ganze 10.000 Liter Wasser mussten von der Firma Weißenhorn mit einem Saugwagen abgepumpt werden.
Der Rennleiter zog schließlich die Notbremse und sagte sowohl den ADAC Bayerncup als auch die geplanten Flattrack-Rennen ab. Eine bittere, aber notwendige Entscheidung, um die Bahn für das große Finale zu retten.
Helfer im Dauereinsatz
Nur durch den Einsatz zahlreicher Unterstützer konnte das EM-Finale überhaupt stattfinden. Der landwirtschaftliche Betrieb Eugen Wolf aus Königsbrunn stellte erneut einen Traktor zur Verfügung, ohne den die Aufbereitung der Bahn kaum möglich gewesen wäre. Weil ein langjähriger Helfer des AMC Haunstetten wegen eines Mittelfußbruchs ausfiel, sprang kurzfristig ein Kollege vom MSC Berghaupten ein und übernahm den Bahndienst. Dieses Beispiel zeigt, wie eng die Motorsportgemeinschaft zusammenhält und dass man sich aufeinander verlassen kann.
Das System der Vorläufe und Finals
Die Europameisterschaft der Seitenwagen ist nicht nur wegen der Geschwindigkeit, sondern auch durch ihr Reglement spannend. Zwölf Teams aus mehreren Nationen traten in Haunstetten an. Jedes Gespann musste in den Vorläufen vier Mal ans Startband.
Gestartet wird immer mit vier Teams. Die Punktevergabe ist klar geregelt: Der Sieger eines Laufs erhält 3 Punkte, der Zweitplatzierte 2 Punkte, der Dritte 1 Punkt und der Vierte geht leer aus. Diese Punkte werden nach den vier Vorläufen addiert.
Die beiden punktbesten Gespanne qualifizieren sich direkt für das A-Finale, also den Endlauf um den Titel. Platz drei und vier haben eine zweite Chance im B-Finale: Dort entscheidet sich, welche beiden Teams noch in das große A-Finale nachrücken dürfen. Dieses System sorgt für permanente Spannung – denn jeder Lauf kann über Sieg oder Aus entscheiden.
Für die Zuschauer ist es ein ideales Format: übersichtlich, leicht nachvollziehbar und von Beginn an von hohem Druck geprägt. Jeder Punkt zählt, jede Linie kann über den Einzug ins Finale bestimmen.
Die Clubfahrer des AMC Haunstetten
Mit großer Vorfreude fieberten die heimischen Fans den Auftritten der beiden Clubgespanne entgegen. Markus Brandhofer mit Beifahrerin Sandra Mollema sowie Imanuel Schramm mit Melanie Meier starteten auf ihrer Heimbahn hoch motiviert. Trotz beherzter Fahrten reichte es für beide Teams nicht für die Qualifikation ins A-Finale. Die internationale Konkurrenz erwies sich an diesem Tag als zu stark, und am Ende blieben den Lokalmatadoren nur wertvolle Erfahrungen und die Unterstützung des heimischen Publikums.
Dramatisches A-Finale in drei Akten
Für die große Spannung sorgten die Favoriten der EM. Markus Venus und Markus Eibl aus Deutschland sowie das britische Duo Godden/Smith dominierten bereits die Vorläufe und zogen ohne Niederlage ins A-Finale ein.
Doch der Endlauf wurde zu einem Nervenspiel. Gleich drei Startversuche waren nötig, bis das Finale regulär beendet werden konnte. Zunächst kam Venus nicht aus den Bändern, dann kam es zu Kollisionen zwischen den Gespannen. Erst der dritte Anlauf brachte die Entscheidung: Venus/Eibl setzten sich souverän durch und holten den Europameistertitel. Platz zwei ging an Godden/Smith aus Großbritannien, Rang drei an die Franzosen Comblon/Comblon, Vierte wurden Valladon/Guilbaud.
Ein Motorsportfest zum Jubiläum
Das EM-Finale war nicht nur sportlich ein Highlight, sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis. Zum 75-jährigen Vereinsjubiläum des AMC Haunstetten bot der Verein ein Programm, das tausende Zuschauer begeisterte. Besonders das begehbare Fahrerlager war ein Publikumsmagnet – selten kommt man den Fahrern so nahe, kann die Maschinen aus nächster Nähe bewundern und die besondere Atmosphäre spüren.
Auch die Soloklassen, unter anderem mit bekannten Fahrern wie Dave Meijerink, trugen zu einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm bei. Damit war für jeden Besucher etwas geboten – vom eingefleischten Motorsportfan bis zum neugierigen Neuling.
Unfallfreies Wochenende
Besonders erfreulich: Trotz der schwierigen Vorbereitungen, der teilweise kritischen Bahnverhältnisse und der intensiven Kämpfe blieb das gesamte Wochenende sturzfrei. Im Seitenwagensport ist das keineswegs selbstverständlich. Es spricht für die Professionalität der Fahrer, die Disziplin im Feld und die hervorragende Arbeit der Bahnmannschaft.
Fazit
Das EM-Finale im Seitenwagen-Speedway in Haunstetten war ein voller Erfolg und ein würdiges Kapitel in der langen Geschichte des AMC Haunstetten. Trotz widrigster Wetterbedingungen gelang es, eine internationale Großveranstaltung zu organisieren, die sportlich wie organisatorisch Maßstäbe setzte.
Auch wenn die heimischen Teams nicht ins A-Finale kamen, bleibt der Stolz auf eine perfekt organisierte Veranstaltung, die unfallfrei verlief und Motorsport auf höchstem Niveau bot. Der Sieg von Venus/Eibl, die Begeisterung der Zuschauer und das Jubiläum des Vereins machten dieses